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Rund um das Freiwilligenzentrum Fürth

20.12.2016

Vom Seemann über den Geschäftsführer zum „Sandwich-Man“

Kategorie: Archiv
Freiwilligenportrait Jürgen Kluth: Besonders die Besucher des Fürther Grafflmarkts dürften diesen Herrn des Öfteren gesehen haben. Jürgen Kluth, auch bekannt als der „Sandwich-Man“, gibt alles, um weitere Freiwillige für das Freiwilligen Zentrum Fürth zu gewinnen. Er selbst engagiert sich in einigen Projekten des FZF. Dabei kann der 73-jährige auf ein bewegtes Leben zurückblicken.

Sandwich-Man Jürgen Kluth auf dem Graffelmarkt in Aktion.

In den 60er Jahren hat der gebürtige Nürnberger Koch gelernt, aber diesen Beruf auf Grund der Arbeitszeiten nicht weiterverfolgt. Nach einem Besuch bei einem Freund in Hamburg heuerte er spontan auf einem Schiff als Steward an. Wenn Kluth von dieser Zeit erzählt leuchten seine Augen. Das mag zum einen daran liegen, dass er die halbe Welt bereist hat, zum anderen aber auch daran, dass er auf einer seiner Reisen in Buenos Aires seine heutige Frau kennengelernt hat.

Die Geschichte hierzu hört sich an wie aus einem Hollywood Film. „So ist es aber tatsächlich passiert!“, sagt Kluth: Auf einer Party in der Amerikanischen Botschaft tanzte er mit einer wunderschönen Frau zu „Strangers in the Night“. Ein Jahr später hat er sie in Buenos Aires geheiratet. Verheiratet ist er mit ihr noch immer und in zwei Jahren feiert das Paar Goldene Hochzeit.

Die berufliche Reise ging für Kluth unter anderem weiter über eine Aushilfstätigkeit bei Karstadt in Hamburg bis hin zum Mitglied der Geschäftsführung der Karstadt-Filiale Braunschweig. Mit 52 machte sich Kluth noch einmal mit einem Fotoexpress-Labor in München selbstständig, musste sich aber der digitalen Fotografie geschlagen geben. Danach ist er wieder zurück ins Frankenland nach Stein gezogen und hat „erstmal 5 Jahre lang seine Rente genossen und gefaulenzt“. Zum Glück für das FZF fing er an sich zu langweilen.

Seit nunmehr 4 Jahren engagiert sich Kluth für das FZF unter anderem in der Öffentlichkeitsarbeit und beim Projekt SprachMenü. Bei der Idee dazu kamen zwei Dinge zusammen: Kluth hatte ein Gespräch mit einem Koch, der sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren wollte. Und ein hauptamtlicher Projektleiter wusste von einem Förderprogramm für solche Aktionen. Gemeinsam entwickelten sie das Projekt. Dabei treffen sich Einheimische mit Flüchtlingen zum gemeinsamen Essen. Ziel ist es, Sprachtandems zu bilden, dabei einander näher zu kommen und den Flüchtlingen die Angst vor der deutschen Sprache zu nehmen.

Mittlerweile sind so 40 Sprachtandems zu Stande gekommen. Fünfmal im Jahr finden solche Treffen statt, bei denen Kluth sehr gerne die Rolle des Küchenchefs übernommen hat. Er selbst hat seit eineinhalb Jahren einen Austausch mit dem Syrer Ahmad und unterstützt ihn auch bei Behördengängen. Kürzlich hat Ahmad einen Praktikumsvertrag angeboten bekommen und beide hoffen, dass daraus vielleicht sogar ein Arbeitsvertrag entsteht. Nicht zuletzt dem SprachMenü und der Unterstützung durch Kluth ist es zu verdanken, dass der Syrer mittlerweile ganz gut deutsch spricht.

Jürgen Kluth bringt Ahmad aber nicht nur das Hochdeutsch nahe. So ist die umgangssprachliche Redewendung „Ade, bleib schee!“ nun mittlerweile auch in Ahmads Sprachgebrauch übergegangen.