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Nicht nur reden sondern tun

Die Rentnerin Monika Sommerfeld könnte ihren Ruhestand wörtlich nehmen und den Herbst des Lebens ruhig angehen lassen. Doch sie will bei gesellschaftlichen Diskussionen über die heutige Jugend nicht in den Kanon der Klagen mit einstimmen. „Man kann nicht nur darüber reden, sondern es ist wichtig, etwas für die Bildung der Jugendlichen zu tun“ so die resolute gebürtige Berlinerin. Sie sitzt an ihrem Wohnzimmertisch und blättert, wie jeden Morgen, die „Fürther Nachrichten“ durch. Ihr Blick fällt auf einen Artikel über das Fürther Projekt „Schülercoaches“. Ehrenamtliche Erwachsene begleiten Jugendliche der Pestalozzi Hauptschule ab der siebten Klasse bis zum Quali. Auf dem Weg durch die Schule bis zur Ausbildung geht es nicht allein um gute Noten. Als Schülercoach ergänzt und verstärkt man das soziale Umfeld und steht den Jugendlichen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zur Seite. Beim Einhalten von Regeln und Absprachen fängt es an. Das wird sie bald feststellen.

Frau Monika Sommerfeld

Denn Monika Sommerfeld wird in den nächsten zwei Jahren zur Begleiterin einer Siebtklässlerin. Beim ersten Treffen in einem Café sind die Vertreterinnen zweier Generationen noch etwas nervös und zurückhaltend. Doch das ändert sich bald. Das Eis schmilzt, als sie die Schülerin für die Servierttentechnik begeistern kann. So entdeckt das Mädchen ihr Talent für Basteln und kreatives Gestalten. Mit ihrer neuen Bekannten macht sie auch die Erfahrung, dass Gesellschaftsspiele manchmal mehr Spaß machen als Computerspiele.

Auch Gedanken, die sich die Hauptschülerin über die Berufswahl macht, kann sie Monika Sommerfeld anvertrauen und es entstehen anregende Gespräche. Die Begleitung durch die Schülercoachin und die Unterstützung der Schule bei Bewerbungstraining und Praktika münden erfolgreich in einen zukünftigen Ausbildungsplatz als medizinische Fachangestellte. Ob sie auch nach ihrem Abschluss zur Weihnachtszeit mit Monika Sommerfeld basteln wird, ist noch offen. „Denn es geht ja darum, einen jungen Menschen ein Stück weit zu begleiten, eine eigenständige Persönlichkeit zu werden“, stellt die Ehrenamtliche fest.

Das Fürther Projekt sucht weiterhin tatkräftige Unterstützung, denn es gibt viele Jugendliche, die sich einen Schülercoach wünschen. Für Unterstützung bei Konflikten sorgen neutrale Supervisoren. Eine große Hilfe ist auch der monatliche Austausch unter den Coaches. Wer die Offenheit mitbringt, sich auf Jugendliche einzulassen, ihre eigene Persönlichkeit respektiert und außerdem noch viel Geduld mitbringt, kann sich jederzeit beim Freiwilligen Zentrum Fürth melden.

Für die ehemalige Sachbearbeiterin ist seit längerem klar, dass sich der Einsatz für Jugendliche lohnt. In ihrer Zeit in Berlin war sie in der Jugendarbeit tätig. „Vielleicht deswegen das ehrenamtliche Engagement als Schülercoach“, fügt sie noch lächelnd hinzu.

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